Hochofen in Asciburgium

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Vor 2000 Jahren

In Asberg stand ein Hochofen


Professor Dr. Tischler machte Ende der 50er Jahre einen besonders interessanten Fund in Asberg – eine schwere Schlacke in einer zwei Meter tiefen Grube. Professor Tischler bat das Hüttenwerk Rheinhausen um eine Analyse.

Dr. Zörner, der Leiter des Labors, nahm sich mit besonderer Liebe des Auftrages an. Man stellte einwandfrei fest, dass es Hochofenschlacke war. Die Römer haben also in Ihrem Lager zu Asciburgium Eisen gewonnen. Zu dieser Eisengewinnung vor 2000 Jahren und mehr, schrieb Dipl.-Ing. J.W. Gilles aus Niederschelden, der um die Erforschung der Eisengewinnung besondere Verdienste hat, folgenden Bericht an das Hüttenwerk Rheinhausen:

Wenn der Geschichtsforscher ein Bild vom Leben der Völker zeichnen will und er keine schriftlichen Urkunden hat, muss er zum Spaten greifen, um Hinterlassenschaften der Alten zu Tage zu bringen. Gebäudegrundrisse, Inschriften, Gräber, Münzen, Schatzfunde, Wert und Gebrauchsgegenstände, Töpfe, Müllhaufen, rotgebrannte Ofenstellen, Brunnen, Eisen und Metallschlacken müssen durchforscht werden. Aus diesen Dingen, besonders aus Inschriften, Münzen, Schmuck und Töpfen, lassen sich die Zeit erschließen. Die Truppe in den Römerlagern hatte einen Handwerkertross bei sich: Landmesser, Zimmerleute für Lager-, Brücken und Wurfmaschinenbau, Schmiede für Waffenreparatur und Neuanfertigung von Waffen und Werkzeugen, Metallschmiede und auch Gießer für Schmuck und Gerät, Schneider, Schuster, Sattler, Bäcker, Töpfer und Kalkbrenner sowie Maurer. In diesem Tross fanden sich auch Kaufleute. Sie siedelten innerhalb und außerhalb des Lagers und hinterließen ihre Spuren. In Müllgruben fanden sich auch Eisen- und Metallschlacken.

Aus ihnen kann der Hüttenmann Schlüsse auf Verfahren, angewandte Erze und Ofenformen ziehen. Metallgießen war leicht, da die Nichteisenmetalle im Holzkohlenfeuer schmolzen. Eisen konnte man nicht flüssig machen sondern nur schweißwarm (1.300° C) und in teigigem Zustand durch Schmieden umformen und zusammenschweißen. Es ließ sich aber aus dem Erz gewinnen, weil es im Holzkohlefeuer schon bei 900° C aus dem Erz in Form von Eisenschwamm und Eisenkristallen ausgeschieden wurde. Dabei bildete sich eine bei 1200° C flüssige, sehr eisenhaltige Schlacke, in der sich das Eisen sammelte. Durch sie wurde das Eindringen von Kohlenstoff in das Eisen verhindert und so wurde es schmiedbar gehalten. Es wurde aus der erkalteten Schlacker herausgeschlagen und in einem zweiten Feuer schweißwarm gemacht und unter dem Hammer zusammengeschweißt.

Diese Arbeit nannte man Rennen, von Zerrennen, zerrinnen machen des Erzes, und das Verfahren Rennfeuer. Das man auf diese Art überhaupt ein schmiedbares Eisen erhielt, lag an der Schwefelarmut der Holzkohle, dadurch blieb das Eisen rotbruchfrei. In den Römerlagern wird man Eisen wahrscheinlich nur geschmiedet haben. Da das Eisen in teigigem Zustand gewonnen wurde, war es von Schlacke durchsetzt. Diese sammelte sich im Schmiedefeuer an und wurde in Mulden oder Rinnen abgestochen. Daher findet man bei alten Schmieden auch Schlacken, die in der Analyse den Rennschlacken gleichen.

Die Römer hatten bereits Fabriken für Waffen, in denen Kriegsgefangene arbeiteten, die bei guter Führung nach 25 Jahren freigelassen wurden. Die Kelten und nachrückenden Germanen, die Schmiede der La-Téne-Zeit (500-0 vor Chr.) waren den römischen Schmieden überlegen. Den Eisenanker lernten die Römer erst bei den Kelten in Britannien kennen. Sie brauchten bis dahin einen durchbohrten Stein. Ebenso ist das Kettenhemd keltische Erfindung. In der La-Téne-Zeit waren die Rennöfen meilerförmige, teils in den Hanglehm eingestochene, teils aus Lehm aufgestampften Öfen von 0,7 bis 1 Meter Innen- und 2 Meter Außendurchmesser bei 1,5 – 1,9 Meter Höhe. Sie waren mit einem Windkanal von von 50x50 cm versehen. Dieser wurde mit einer Lehmwand zugestopft, in die ein Schlackenabstich und eine Düse von 6 cm eingestochen war. Sie wurden mit Hangwind und Essenzug betrieben. Ihre Arbeitsweise wurde im Siegerland durch praktische Versuche erforscht. Ein Modell ist im Deutschen Museum nach den Siegerländer Funden aufgebaut. Im Siegerland-Museum, Oberes Schloss, Siegen, ist ein Originalofen zu sehen.

Quellenangabe: mit freundlicher Genehmigung des Freundeskreis Lebendige Grafschaft – Jahr buch 2007/2008 (mit Genehmigung der Firma Krupp-Thyssen Essen aus der Werkzeitung „Profil“ Jg. 11, Heft 7 = Juli 1958)
 
 
 
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